‚Zukunftsorte‘ verstehen sich in Anlehnung an Pierre Noras Konzept der Erinnerungsorte, das sowohl konkrete, traditionsbildende Orte umfasst wie auch bestimmte Topoi und moderne Mythen, aus denen sich das kollektive Erinnern speist und an denen es immer wieder neu entsteht. Dementsprechend sind ,Zukunftsorte‘ diejenigen Stellen in der Wirklichkeit, in der Zukunft imaginiert und verhandelt wird. Denn Zukunft ist ja nicht einfach gegeben, sondern wird permanent hergestellt, verhandelt, neu austariert in Appellen und Prognosen, in Wünschen und Ängsten, mit Bildern und HanPlätzen, Projekten, Aktionen, an Namen und Ideen, Versprechen und Vorhersagen. Manchmal sind es Orte, die von vornherein emphatisch Zukunft entwerfen, die das Morgen schon hier und heute vorwegnehmen, die Heilserwartungen inszenieren oder Schrecken an die Wand werfen. Manchmal wächst solchen Orten ihre Zukunft erst im Nachhinein zu, und erst im Rückblick erkennen wir in ihnen den Anfang des Neuen. Immer sind es Orte, an denen Besetzungen und Gegenbesetzungen, Erzählungen und Bilder der Zukunft aufeinandertreffen und miteinander in Dialog treten – einen Dialog, den man beobachten, aber auch fortführen kann, denn jeder dieser Orte kann auch selbst wieder weitere Ideen von Zukunft generieren. Als prominentes Beispiel eines solchen Ortes sei Halle-Neustadt genannt, zu dem es im Wintersemester 2024/25 ein studentisches Projektseminar an der MLU gab. Im Sommersemester 2025 wird das Projekt fortgesetzt, einen ersten Einblick gibt es hier.
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Post-Doc-Projekt zum Thema „Gefühlte Öffentlichkeiten. Debatten, Medien, Affekte“
Neues Post-Doc-Projekt zum Thema „Gefühlte Öffentlichkeiten. Debatten, Medien, Affekte“
Ausgehend von den Zeitdiagnosen der Fragmentierung und Polarisierung erforscht die ARW-Forschungsstipendiatin für das Jahr 2025-26 Dr. Simone Jung die Komplexität hybrider Öffentlichkeiten anhand aktueller Kulturdebatten. Digitale Plattformen haben alternative Formen der Partizipation hervorgebracht, die mit einer deliberativen Perspektive und ihrer Krisendiagnostik nicht vollständig zu erfassen sind. Diese Sichtweise vernachlässigt die Eigenlogik digitaler Medien und die Ambivalenz von Affekten für die Herstellung von Öffentlichkeit. Davon ausgehend nimmt das Projekt einen Perspektivwechsel vor und rückt die medialen Infrastrukturen und ihre Konsequenzen für den politischen Diskurs in den Fokus: Unter welchen Bedingungen und mit welchen Verfahren wird heute Öffentlichkeit zwischen traditionellen Medien und sozialen Netzwerken hergestellt? Und welche Effekte ergeben sich für die demokratische Praxis, wenn Vernetzungsprozesse und Affizierungslogiken eine größere Rolle spielen? Auf Basis von Fallstudien und in Auseinandersetzung mit Politischer Theorie sowie Affekt- und Emotionsforschung soll eine alternative Zeitdiagnose entwickelt und normative Anforderungen an Öffentlichkeit erörtert werden.
Masterstudiengang Kulturen der Aufklärung
Der Master-Studiengang Kulturen der Aufklärung wurde vom Forschungsschwerpunkt „Aufklärung – Religion – Wissen“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konzipiert, ist am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) und wird von Professorinnen und Professoren der Theologischen Fakultät sowie der Philosophischen Fakultäten I, II und III getragen.
Er beschäftigt sich mit den Konzepten udn Deutungsmustern der Moderne, die in der Epoche der Aufklärung entstanden und noch unsere Gegenwart und deren Debatten um die Zukunft des westlichen Gesellschaftsmodells in einer globalisierten Welt prägen. Aufklärung erscheint dabei ein spannungsreicehr PRozess: Indem die traditionellen Ordnungen des Handelns, Glaubens und Wissens ihre Selbstverständlichkeit verloren, öffneten sich neuartige Freiräume für die menschliche Welterkenntnis und Weltgestaltung. Seitdem gilt es als Aufgabe der Gesellschaft wie jedes einzelnen, selbst über sich und die eigene Zukunft zu entscheiden. Besonderes GEwicht liegt dabei auf dem professionellen Umgang mit den jeweils fachspezifischen Methoden und auf der Erkundung praktischer Berufsfelder. Beteiligt sind die Fächer Philosophie, Theologie, Geschichte, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Anglistik, Germanistik, Slavistik, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Musikwissenschaft sowie Pädagogik. Mehr Inforamtionen finden sich hier.