CfP: Nachleben der Religionen. De- und Resakralisierungen in den Literaturen und Künsten

Summer School Literatur und Religion für Nachwuchsforschende

30.09.-01.10.2026 Leucorea-Stiftung Wittenberg

Organisiert von Daniel Weidner und Wiebke Windorf 
(beide Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Literatur und Kunst sind offensichtlich auch in der Moderne voll von Religion. Moderne Bilder und Texte kreisen oft um religiöse Fragen, enthalten religiöse Motive oder rekurrieren auf Bildtraditionen und Textgattungen religiösen Ursprungs. Was tun diese Elemente in profanen Texten oder Bildern, wie sind sie in diese hineingekommen und wie können wir sie lesen und sehen? Wir schlagen vor, solche Phänomene als „Nachleben“ zu beschreiben, in denen religiöse Bedeutung weiterwirkt oder zitiert wird; Bilder und Texte erscheinen aus dieser Perspektive als Gedächtnis des Religiösen, aber auch als Schauplatz von Verhandlungen darüber, was Kunst, Literatur und Religion jeweils ist und wie sie sich zueinander verhalten. Die diesjährige Summerschool beschäftigt sich daher mit Echos und Wiederaufnahmen, mit unbewussten Kontinuitäten und bewussten Zitaten religiöser Semantiken, Symboliken und Praktiken im Feld der Künste jenseits der lange dominierenden Theorien der Säkularisierung. Explizit wird dabei die Diskussion ausgeweitet und die ohnehin interdisziplinäre Ausrichtung des Forums verstärkt, weil dieses Jahr neben Literatur- und Kulturwissenschaft und Theologie bzw. Religionswissenschaft auch die Kunstgeschichte explizit einbezogen wird. Wir laden daher junge ForscherInnen aus diesen Bereichen ein, ihre Projekte – Dissertationsvorhaben, Postdoc-Projekte, weitere Ideen – aus diesem Themenfeld gemeinsam zu diskutieren.

Call for Papers

Partizipation in der Kritik? Zur Inszenierung von Affekten in digitalen Öffentlichkeiten

Interdisziplinärer Workshop

28. – 29. Mai 2026, Georg-Forster-Haus, Halle (Saale)

Organisation: Dr. Simone Jung (Soziologin und Medienwissenschaftlerin, Fellow am Forschungsschwerpunkt „Aufklärung – Religion – Wissen“, Halle) und Prof. Dr. Franziska Heller (Audiovisuelle Medien und digitale Kulturen, Halle)

„Plattform-Populismus”, „digitaler Faschismus”, „partizipative Propaganda”: Die Zuspitzung gegenwärtiger Kulturkämpfe ist nicht ohne mediale Technologien und ihre jeweiligen affektiven Dimensionen zu denken. Davon ausgehend diskutiert der Workshop neue Formen öffentlicher Kritik und deren demokratietheoretischen Implikationen mit einem Fokus auf Medien, Technologie und Affekt. Dabei sollen die spezifischen medialen und (wirkungs-)ästhetischen Bedingungen unterschiedlicher Artikulationsformen sowie deren Effekte auf den politischen Diskurs besondere Berücksichtigung finden. Digitale Plattformen haben neue Möglichkeiten der Partizipation etabliert und zur Pluralisierung öffentlicher Diskurse beigetragen. Zugleich gehen Zeitdiagnosen von einer Fragmentierung und Polarisierung der öffentlichen Sphäre aus. Vor allem die neuen Formen der affektiven Aufladung und emotionalen Involvierung durch die algorithmisch strukturierte Informationsverarbeitung digitaler Plattformen werden als Gefährdung der demokratischen Öffentlichkeit diskutiert. Die Sorge um Öffentlichkeit hat sich mit der globalen Verbindung von politisch-reaktionären Kräften und Tech-Unternehmern verschärft. Etablierte Normen öffentlicher Teilnahme und politischer Auseinandersetzung sind in Frage gestellt.

Vor diesem Hintergrund richtet der Workshop den Fokus auf einen Aspekt, der in politik- und demokratietheoretischen Debatten häufig vernachlässigt wird: die Dimensionen des Affektiven und Medialen von Teilhabeprozessen in gegenwärtigen Öffentlichkeiten. Anhand konkreter Praktiken aus Medien, Populärkultur und Kunst und in Auseinandersetzung mit medien- und demokratietheoretischen Konzepten fragen wir: Unter welchen Bedingungen, auf welche Weise und mit welchen Effekten wird heute Öffentlichkeit und kritische Teilhabe hergestellt? Welche Rolle spielen Technologien, Medien und Affekte dabei und welche Auswirkungen haben sie auf den politischen Diskurs? Aus normativer Perspektive bedarf insbesondere der Begriff der Partizipation als demokratietheoretischer und liberaler Zentralwert unter den Bedingungen der soziotechnischen Programmierung digitaler Plattformen einer kritischen Reflexion: Wie können öffentliche Räume gestaltet werden, die den hybriden Medienlogiken angemessen sind und (demokratiefördernde) Partizipation ermöglichen? Haben wir es in sozialen Netzwerken mit Formen der Partizipation zu tun, die Inklusion und Gleichheit ermöglichen – oder eher mit dem Anschein einer partizipatorischen Demokratie? Erfordern die neuen, stärker medialisierten und affektiv geprägten Formen der Teilhabe womöglich neue Begriffe und (demokratie-)theoretische Konzepte? Und wie lässt sich die neue Unüberbrückbarkeit von soziotechnischen Prozessen und menschlichen Subjekten für neue (affektive) Formen der Kritik fruchtbar machen?

Ziel ist es, empirische, theoretische, medien- und kulturanalytische sowie normative Perspektiven in einen Dialog bringen. Der Workshop führt Disziplinen aus den Bereichen Philosophie und Politische Theorie, Soziologie, Kultur- und Medienwissenschaft zusammen und will über Nostalgie und Klage hinausgehen.

PROGRAMM

Donnerstag, 28. Mai 2026

Ort: Literaturhaus Halle, Bernburger Str. 8, 06108 Halle (Saale)

19:00 Uhr
Vortrag und Gespräch mit Wolfgang Ullrich (Leipzig)
Memokratie. Soziale Medien und autoritäre Bildpolitik

Freitag, 29. Mai 2026

Ort: Georg-Forster-Haus, Emil-Abderhalden-Straße 7a, 06108 Halle (Saale)

9:15 Uhr: Ankommen & Kaffee
9:30 Uhr: Begrüßung
Prof. Dr. Franziska Heller/Dr. Simone Jung (Medienwissenschaft/Soziologie, Halle):
Zum Ansatz: Inszenierung von Affekten und digitale Öffentlichkeiten

I. Analytische Perspektiven: Ästhetische Wirkmächtigkeiten und Infrastrukturen

09:45 Uhr: Dr. Thomas Scherer (Medienwissenschaft, Frankfurt Oder)
Streitende Bilder im Netz. Audiovisuelle Diskursformationen des Affekts

10:30 Uhr: Vanessa Oberin (Medienwissenschaft, Potsdam)
Rechtes Vibrieren. Die Rolle von Vibe-Content im algorithmischen Faschismus

11:15 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr: Prof. Dr. Fabian Schäfer (Japanologie, Nürnberg)
Konnektivität und Zynismus in digitalen Öffentlichkeiten

12:15 Mittagspause

II. Normative Perspektiven: Politische Interventionen und Demokratietheorie

13:30 Uhr: Prof. Dr. Jennifer Eickelmann (Medienwissenschaft/Soziologie, Hagen)
Die soziotechnische Verfügbarmachung von Körpern und Affekten in der Broligarchie. Über digitale Infrastrukturen, Hegemonien, Gewalt und die Frage nach den Bedingungen ihrer Politisierung

14:15 Uhr: Dr. Dominik Herold (Philosophie, Berlin)
Politik der Körper: Über affektive Demokratie und neue Faschisierungen

15:00 Kaffeepause

15:15 Uhr: Dr. Steffen Krämer (Medienwissenschaft, Konstanz)
Affektive Ansprüche und kollektiver Entzug in hybriden Medienöffentlichkeiten

16:00 Uhr: Abschlussdiskussion
Prof. Dr. Franziska Heller/Dr. Simone Jung (Medienwissenschaft/Soziologie, Halle): Zum Ausblick: Partizipation als/im Affekt in der Kritik?

Programm, Abstracts und Kurzbios

Call for Papers: Let’s see action! Spielarten performativer Kritik in epochenübergreifender Perspektive — Bewerbungsfrist 20. Mai 2026

19.–21.11.2026
Jahrestagung des Forschungsschwerpunkts „Aufklärung – Religion – Wissen“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Kritik erscheint in vielerlei Gestalt und geht oft über rein sprachliche Formen hinaus. Sie wird geübt und eingefordert, manchmal aber auch zurückgehalten oder nur indirekt geäußert. Sie schafft, abhängig von Zeit und Raum, eigene Formen des Auftritts und spezifische Modi der Erscheinung – etwa signalhaft eröffnend oder ritualhaft erstarrt. Sie besitzt einen gestaltenden, praktischen und performativen Charakter, der sich in konkreten, etwa abweichenden oder übertriebenen Handlungen äußert. Kritik hat auch eine temporale Dimension: Sie entsteht, bringt gegenwärtige normative Vorstellungen zum Ausdruck und verweist visionär auf Zukünftiges. Sie kann verebben und wiederkehren, sie braucht Zeit, sich zu artikulieren und zu entfalten. Und nicht zuletzt: Kritik konfrontiert ein Gegenüber und wirkt besonders vor Publikum.

Prädestiniert für die Auseinandersetzung mit performativen Aspekten der Kritik erscheinen die Kunst- und Medienwissenschaften. Sie interessieren sich für Kritik in Form künstlerischer Handlungen oder Reaktionen und in Form von Manifesten, Demonstrationen und Aktionen – etwa in Institutionen (Akademie, Galerie, Museum), Medien oder Räumen (in der Zeitung, in der digitalen Welt oder direkt auf der Straße). Flugblätter können aus dem Flugzeug abgeworfen, Statements vorgelesen und Vorträge gehalten werden, Kunst kann im Museum beschädigt, Straßen und Plätze können genutzt, besetzt oder blockiert werden. Kritik kann sich gegen andere Künstler:innen und Kunstrichtungen, konkrete Personen (Sponsoren oder Politiker:innen) oder auch gegen Institutionen, Regeln, Unternehmen und schließlich gegen sich selbst richten. Die Frage nach der Performativität und den Inszenierungsformen nähert die Kritik dem künstlerischen Akt an – mit dem oft erhobenen Anspruch auf Irritation und Überraschung, Virtuosität und Innovation.

Diese Beispiele bieten auch für die Geschichtswissenschaft zahlreiche Anknüpfungspunkte. Seitdem die hartnäckige Skepsis gegenüber der Analyse von Körperlichem und Bildlichem unter Historiker:innen Fragen nach Symbolik, Ritual und Ästhetik gewichen ist, spielen performative Aspekte in der historischen Erforschung von Politik, Recht und anderen gesellschaftlichen Feldern eine immer wichtigere Rolle. Der Blick richtet sich also auf historische Formen der Kritik, die in ihrer Performativität weit über das Textuelle hinausreichen. Ein klassisches Medium ist die Karikatur, in der oft ein Spannungsverhältnis zwischen Text und Bild erzeugt wird. Doch Kritik funktioniert bei klarer Referenz auch ganz ohne Wort – wo käme dies deutlicher zum Ausdruck als im Schweigemarsch? Das historische Reservoir der performativen Kritik formiert sich ständig neu: Sie kann sich durch Ironie und Parodie schützen, in provokativer Kleidung oder nonkonformem Verhalten stecken, durch Collage oder Montage ästhetisch verfasst sein und schockieren, massenmedial multipliziert werden, durch Körperkollektive wirken, in Schauprozessen pervertiert werden, durch Flash-Mobs oder Shitstorms blitzschnell Massen mobilisieren etc.

Gegenstand unserer Tagung sind die differenzierten Praktiken, Spielarten und Kipppunkte performativer Kritik, die den Körper und alle Sinne umfasst. Im Mittelpunkt stehen ihre unterschiedlichen geplanten oder auch spontanen Ausdrucksformen: Wie werden Kritik und Protest bildlich und körperlich geäußert? Welche Öffentlichkeit adressiert sie? Gegen welche Institutionen und Routinen wendet sie sich? Welche Form der Autorität beansprucht sie und welche stellt sie in Frage? Wie unterscheiden sich ihre Formen abhängig vom zeitlichen und räumlichen Kontext? Wie variiert sie abhängig von den jeweiligen soziopolitischen Bedingungen? Welche Symbole und Codes verwenden ihre Akteur:innen, und wie weit reicht ihre Verständlichkeit? Um welche Dimensionen erweitert Performativität die textuelle Kritik und inwieweit besteht ein Spannungsverhältnis zwischen ihnen?

Unser Anliegen ist es, einen fächerübergreifenden Austausch zu initiieren, der neben der Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft unterschiedliche Philologien, die Medienwissenschaften, die Ethnologie, Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Islamwissenschaft, Judaistik und andere Disziplinen umfasst. Tagungssprache ist Deutsch; englische Vorträge sind willkommen. Die Kosten für die (innerdeutsche) Reise sowie den Aufenthalt werden übernommen.

Bitte senden Sie ihre Themenvorschläge und einen kurzen CV (beides zusammen max. eine Seite) bis zum 20. Mai 2026 an:
yvonne.kleinmann@geschichte.uni-halle.de und olaf.peters@kunstgeschich.uni-halle.de.