Let’s see action. Spielarten performativer Kritik in epochenübergreifender Perspektive

19.-21.11. 2026
Jahrestagung des Forschungsschwerpunkts „Aufklärung – Religion – Wissen“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Organisiert von Yvonne Kleinmann und Olaf Peters

Kritik erscheint in vielerlei Gestalt und geht oft über rein sprachliche Formen hinaus. Sie wird geübt und eingefordert, manchmal aber auch zurückgehalten oder nur indirekt geäußert. Sie schafft, abhängig von Zeit und Raum, eigene Formen des Auftritts und spezifische Modi der Erscheinung – etwa signalhaft eröffnend oder ritualhaft erstarrt. Sie besitzt einen gestaltenden, praktischen und performativen Charakter, der sich in konkreten, etwa abweichenden oder übertriebenen Handlungen äußert. Kritik hat auch eine temporale Dimension: Sie entsteht, bringt gegenwärtige normative Vorstellungen zum Ausdruck und verweist visionär auf Zukünftiges. Sie kann verebben und wiederkehren, sie braucht Zeit, sich zu artikulieren und zu entfalten. Und nicht zuletzt: Kritik konfrontiert ein Gegenüber und wirkt besonders vor Publikum.

Gegenstand unserer Tagung sind die differenzierten Praktiken, Spielarten und Kipppunkte performativer Kritik, die den Körper und alle Sinne umfasst. Im Mittelpunkt stehen ihre unterschiedlichen geplanten oder auch spontanen Ausdrucksformen: Wie werden Kritik und Protest bildlich und körperlich geäußert? Welche Öffentlichkeit adressiert sie? Gegen welche Institutionen und Routinen wendet sie sich? Welche Form der Autorität beansprucht sie und welche stellt sie in Frage? Wie unterscheiden sich ihre Formen abhängig vom zeitlichen und räumlichen Kontext? Wie variiert sie abhängig von den jeweiligen soziopolitischen Bedingungen? Welche Symbole und Codes verwenden ihre Akteur:innen, und wie weit reicht ihre Verständlichkeit? Um welche Dimensionen erweitert Performativität die textuelle Kritik und inwieweit besteht ein Spannungsverhältnis zwischen ihnen?

Call For Paper

Nachleben der Religionen. De- und Resakralisierungen in den Literaturen und Künsten

Summer School Literatur und Religion für Nachwuchsforschende

30.09.-01.10.2026 Leucorea-Stiftung Wittenberg

Organisiert von Daniel Weidner und Wiebke Windorf 
(beide Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Literatur und Kunst sind offensichtlich auch in der Moderne voll von Religion. Moderne Bilder und Texte kreisen oft um religiöse Fragen, enthalten religiöse Motive oder rekurrieren auf Bildtraditionen und Textgattungen religiösen Ursprungs. Was tun diese Elemente in profanen Texten oder Bildern, wie sind sie in diese hineingekommen und wie können wir sie lesen und sehen? Wir schlagen vor, solche Phänomene als „Nachleben“ zu beschreiben, in denen religiöse Bedeutung weiterwirkt oder zitiert wird; Bilder und Texte erscheinen aus dieser Perspektive als Gedächtnis des Religiösen, aber auch als Schauplatz von Verhandlungen darüber, was Kunst, Literatur und Religion jeweils ist und wie sie sich zueinander verhalten. Die diesjährige Summerschool beschäftigt sich daher mit Echos und Wiederaufnahmen, mit unbewussten Kontinuitäten und bewussten Zitaten religiöser Semantiken, Symboliken und Praktiken im Feld der Künste jenseits der lange dominierenden Theorien der Säkularisierung. Explizit wird dabei die Diskussion ausgeweitet und die ohnehin interdisziplinäre Ausrichtung des Forums verstärkt, weil dieses Jahr neben Literatur- und Kulturwissenschaft und Theologie bzw. Religionswissenschaft auch die Kunstgeschichte explizit einbezogen wird. Wir diskutieren gemeinsam mit jungen ForscherInnen aus diesen Bereichen ihre Projekte – Dissertationsvorhaben, Postdoc-Projekte, weitere Ideen – aus diesem Themenfeld .

Call for Papers

Programm

30.9.

10-12:30:
Begrüßung Vorstellung
Lektüre A: Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion
Rebecca Borbe: Rezeption, Transformation und Transfiguration von Frauenfiguren der hebräischen Bibel in der deutschsprachigen Literatur

13:30-15:30,
Johanna Katherina Witzenrath: An Stelle der Seele. Transformation und Metaphorik lyrischer Subjektivität in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik
Annabel Rapp: Dornenkrone und Goldkette. Nachleben Christlicher Ikonographien im Hip Hop

15:45-17:45
Daniel Wörner: Religiöse Performanz im Theater. Aufführungsanalysen aktueller Jedermann-Bearbeitungen in praktisch-theologischer Perspektiv
Francesco Simoncini: Eine unvollkommene Resakralisierung. Bild, Bildung und Nachahmung in Goethes Sankt Joseph II.

18-19
Lektüre B: Aby Warburg:  Italienische Kunst und Internazionale Astrologie im Palazzo Schifanoia zu Ferrara

1.10.

9-11
Valeriia Kovaleva: Ein Bau für die „tote Institution“. Die Kapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp von Le Corbusier
Johanna Lindermayr: Erzählte Dome. Die gotische Kathedrale in der literarischen Moderne

11:30-12:30
Lektüre C: Walter Benjamin: Ernst Fuchs, der Sammler und der Historiker

14:00-16:00
Lynh Nguyen: Lector vates, lector doctus. Sakralästhetiken in der Praxis einlässlicher Lektüren im Vergleich zwischen früher britischer Literaturkritik und deutscher Werkimmanenz, ca. 1900–1960
Isabel von Holt: Neobarocke Bewegungen. Literarische Praxis und Kulturtheorie in Deutschland und Lateinamerika seit 1970
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