28. – 29. Mai 2026, Georg-Forster-Haus, Halle (Saale)
Organisation: Prof. Dr. Franziska Heller (Audiovisuelle Medien und digitale Kulturen, Halle) und Dr. Simone Jung (Soziologin und Medienwissenschaftlerin, Fellow am Forschungsschwerpunkt „Aufklärung – Religion – Wissen“, Halle)
„Plattform-Populismus”, „digitaler Faschismus”, „partizipative Propaganda”: Die Zuspitzung gegenwärtiger Kulturkämpfe ist nicht ohne mediale Technologien und ihre jeweiligen affektiven Dimensionen zu denken. Davon ausgehend diskutiert der Workshop neue Formen öffentlicher Kritik und deren demokratietheoretischen Implikationen. Digitale Plattformen haben neue Möglichkeiten der Partizipation etabliert und zur Pluralisierung öffentlicher Diskurse beigetragen. Zugleich gehen Zeitdiagnosen von einer Fragmentierung und Polarisierung der öffentlichen Sphäre aus. Vor allem die neuen Formen der affektiven Aufladung und emotionalen Involvierung durch die algorithmisch strukturierte Informationsverarbeitung digitaler Plattformen werden als Gefährdung der demokratischen Öffentlichkeit diskutiert. Die Sorge um Öffentlichkeit hat sich mit der globalen Verbindung von politisch-reaktionären Kräften und Tech-Unternehmern verschärft. Etablierte Normen öffentlicher Teilnahme und politischer Auseinandersetzung sind in Frage gestellt.
Vor diesem Hintergrund richtet der Workshop den Fokus auf die Dimensionen des Affektiven und Medialen von Teilhabeprozessen in gegenwärtigen Öffentlichkeiten. Anhand konkreter Praktiken aus Medien, Populärkultur und Kunst und in Auseinandersetzung mit medien- und demokratietheoretischen Konzepten wird gefragt: Unter welchen medialen und (wirkungs-)ästhetischen Bedingungen, auf welche Weise und mit welchen Effekten wird heute Öffentlichkeit und kritische Teilhabe hergestellt? Welche Rolle spielen Technologien, Medien und Affekte dabei und welche Auswirkungen haben sie auf den politischen Diskurs? Wie können öffentliche Räume gestaltet werden, die den hybriden Medienlogiken angemessen sind und (demokratiefördernde) Partizipation ermöglichen? Und wie lässt sich die neue Unüberbrückbarkeit von soziotechnischen Prozessen und menschlichen Subjekten für neue (affektive) Formen der Kritik fruchtbar machen?
Ziel ist es, empirische, theoretische, medien- und kulturanalytische sowie normative Perspektiven in einen Dialog bringen. Der Workshop führt Disziplinen aus den Bereichen Philosophie und Politische Theorie, Soziologie, Kultur- und Medienwissenschaft zusammen und will über Nostalgie und Klage hinausgehen.
Kaum irgendwo manifestiert sich der „revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten Jahrhunderts“ (Karl Löwith) so deutlich, wie in von 1838 bis 1843 erscheinenden „Hallischen Jahrbüchern“. Die von Theodor Echtermeyer und Arnold Ruge herausgebende Zeitschrift war nicht nur das Forum des sich radikalisierenden Linkshegelianismus, sondern machte auch selbst einen radikalen Wandel durch. Zunächst gegründet als literarisch-universitäres Medium für – so der Untertitel – „Kritiken, Charakteristiken und Übersichten“ entwickelt sich die Zeitschrift schnell zum Sprachrohr von immer radikaleren und immer lauteren Forderungen nach einer Veränderung der Verhältnisse. Über die Grenzen von Philosophie, Theologie, Politik und Publizistik hinweg etabliert sich eine neue Form von publizistischer Kritik und ein neuer Typ des Autors: Aus dem „Priester des Absoluten“, dem verbeamteten Staatsphilosophen, wird der – und die [!] – freischwebende Intellektuelle, aus der philosophischen Theorie die politische und schließlich revolutionäre Praxis, aus dem wissenschaftlichen Jahrbuch das Organ einer Gegenöffentlichkeit und der „Kritik“ in einem Sinn, der wohl kaum je so emphatisch gedacht und verkündet wurde wie hier. Der Workshop nimmt die Jahrbücher zum Anlass, die besondere Dynamik dieses Schreibens an Fallstudien zu untersuchen und dabei insbesondere auch das spezifische Medium der Zeitschrift ernst zu nehmen.