Workshop, 16.-17.4. 2026, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Organisiert von Florian Scherübl, Friedemann Stengel und Daniel Weidner
Kaum irgendwo manifestiert sich der „revolutionäre Bruch im Denken des neunzehnten Jahrhunderts“ (Karl Löwith) so deutlich, wie in von 1838 bis 1843 erscheinenden „Hallischen Jahrbüchern“. Die von Theodor Echtermeyer und Arnold Ruge herausgebende Zeitschrift war nicht nur das Forum des sich radikalisierenden Linkshegelianismus, sondern machte auch selbst einen radikalen Wandel durch. Zunächst gegründet als literarisch-universitäres Medium für – so der Untertitel – „Kritiken, Charakteristiken und Übersichten“ entwickelt sich die Zeitschrift schnell zum Sprachrohr von immer radikaleren und immer lauteren Forderungen nach einer Veränderung der Verhältnisse. Über die Grenzen von Philosophie, Theologie, Politik und Publizistik hinweg etabliert sich eine neue Form von publizistischer Kritik und ein neuer Typ des Autors: Aus dem „Priester des Absoluten“, dem verbeamteten Staatsphilosophen, wird der – und die [!] – freischwebende Intellektuelle, aus der philosophischen Theorie die politische und schließlich revolutionäre Praxis, aus dem wissenschaftlichen Jahrbuch das Organ einer Gegenöffentlichkeit und der „Kritik“ in einem Sinn, der wohl kaum je so emphatisch gedacht und verkündet wurde wie hier. Der Workshop nimmt die Jahrbücher zum Anlass, die besondere Dynamik dieses Schreibens an Fallstudien zu untersuchen und dabei insbesondere auch das spezifische Medium der Zeitschrift ernst zu nehmen.
Tagungsort:
Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg
Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung
Franckeplatz 1, Haus 24, 06110 Halle
Organisiert von Daniel Weidner, Friedemann Stengel und Florian Scherübl
Programm:
Donnerstag, 16.4.2026
12.00 – 12.30 Uhr Ankunft + Begrüßung
12.30-13.30 Uhr Olaf Briese (Berlin): Die Macht der Gelehrten. Intellektuelle und ihr Anspruch auf eine erneuerte Aufklärung
13.30-14.30 Uhr Daniel Weidner (Halle): Uhrzeiger, Verdauungsorgan und pulsierendes Herz. Die publizistische Dynamik der Hallischen Jahrbücher
14.30-15.00 Uhr Kaffeepause
15.00-16.00 Uhr Gabriele Schimmenti (Rom): „Das Weibergeschwätz der Hegelianer“. Die Frage nach der Frauenemanzipation in den Hallischen Jahrbüchern.
16.00-17.00 Uhr Donate Wagner (Halle): „Bettine als Religionsstifterin“. Zur Verhandlung des Religiösen am Fall Bettina von Arnim in den Hallischen Jahrbüchern
17.00-17.30 Uhr Kaffeepause
17.30-18.30 Uhr Diethard Sawicki (Halle): Abseits von Bauer und Feuerbach: Religiöse und parareligiöse Konturen in den Hallischen/Deutschen Jahrbüchern
18.30-19.30 Uhr Christian Stahmann (Heidelberg): Zur Charakteristik Heinrich Ewalds – Historisch-kritische Positionierungen aus Göttingen im Vormärz
Freitag, 17.4.2026
9-10 Uhr Florian Scherübl (Halle): Die „Hallischen Jahrbücher“ und die Transformation literarischer in „kritische Kritik“
10-11 Uhr Luise Henckel (Halle): Unbedingte Emanzipation? Radikale Kritik und jüdische Frage in den Hallischen Jahrbüchern (1838-1844)
11.00-11.30 Uhr Kaffeepause
11.30-12.30 Uhr Konstantin Moser (Göttingen): „Alles ist sozialistisch“ – Religion, Religionskritik und der „andere“ Materialismus des Moses Hess (1812-1875).
12.30-13.30 Uhr Mittagspause
13.30-14.30 Uhr Patrick Eiden-Offe (Berlin): „Vorwärts in Prolatariat!“ Eine neue Klasse auf dem Weg zu sich selbst
14.30-15.30 Uhr Friedemann Stengel (Halle): „Konfusionarier“ und Sozialist. Arnold Ruge in der Humanismus-Debatte
Anmeldungen an florian.scheruebl@germanistik.uni-halle.de